
Zwischen Bananenschale und Aberglauben
In den kommenden Tagen werden Sie den Satz «Rutsch gut!» wohl gefühlt tausend Mal hören oder selbst sagen. Es ist ein freundlicher Wunsch, doch je mehr ich darüber nachdenke, desto kurioser wirkt er. Denn mal ehrlich: Wohin rutschen wir da eigentlich? Und vor allem: Was, wenn man ausrutscht – im wörtlichen Sinne?
Heute Morgen stand ich jedenfalls kurz vor einem echten «Rutsch». Nicht auf einer metaphorischen Ebene, sondern ganz real. Ein grosser Teil des Parkplatzes auf dem Glaubenberg war ein reines Eisfeld und obendrauf lag eine Bananenschale. Das ist etwa so, wie wenn eine schwarze Katze die Strasse vor mir überquert und dabei ein T-Shirt mit der Nummer 13 auf dem Rücken trägt. Dabei musste ich unweigerlich schmunzeln. Der Satz «Rutsch gut!», der sonst so harmlos daherkommt, war plötzlich beängstigend nah an der Realität.
War das ein böses Omen oder ein Zeichen dafür, dass das kommende Jahr bei mir besonders glatt laufen wird? Ich bin kein abergläubischer Mensch – zumindest würde ich das gerne von mir behaupten. Aber immer wieder schleicht sich ab und zu etwas Aberglaube in mein Leben ein. Auf dem eisigen Parkplatz wurde mir klar, dass ich in solchen Momenten heimlich nach Zeichen suche. Wenn das nächste Auto, das an mir vorbeifährt, rot ist, dann bekomme ich gute Nachrichten. Oder ich zähle Treppenstufen – linker Fuss, rechter Fuss – und entscheide bei der letzten Stufe über mein Schicksal. Alles völlig irrational. Warum machen wir das?
Warum suchen wir in banalen Situationen wie einer Bananenschale auf einem rutschigen Parkplatz nach etwas, das uns Kontrolle gibt? Psychologen erklären, dass Aberglaube uns Sicherheit gibt. Rituale und Zeichen sind unsere Art, der Unsicherheit des Lebens zu trotzen. Ein Hauch von Magie, der uns tröstet, wenn das Leben rutschig wird. Ich glaube, ein bisschen Aberglaube hat doch auch seinen Charme. Denken wir an Silvesterbräuche wie Bleigiessen oder Horoskope lesen. Niemand erwartet ernsthaft, die Zukunft aus einem geschmolzenen Klumpen Blei zu lesen. Aber es macht Spass. Es schenkt uns das Gefühl, für einen Moment die Kontrolle zu haben, während wir ins neue Jahr rutschen. Vielleicht liegt genau darin der Reiz:
Ein Wunsch wie «Rutsch gut!» klingt leicht und unbeschwert, auch wenn der Weg manchmal rutschig ist. Er erinnert uns daran, dass ein sanfter Start wichtig ist, aber ein kleiner Sturz nicht das Ende bedeutet. Heute, auf dem vereisten Parkplatz, bin ich auf alle Fälle nicht ausgerutscht. Das ist doch ein guter Anfang. Deshalb wünsche ich Ihnen von Herzen: Rutschen Sie gut! Elegant, sicher und auf beiden Füssen. Und falls doch etwas schiefgeht: Nehmen Sie es mit Leichtigkeit. Denn egal, wie das Jahr beginnt, es geht sowieso weiter.
Ich meinti
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