
Darf ich vorstellen: Mein gallisches Dorf
Wer kennt ihn nicht - Troubadix, den Barden aus Asterix Comics? Er hält sich für ein musikalisches Genie, doch sein Gesang ist für alle anderen unerträglich. Auch ich trage einen Troubadix in mir! Er singt immer dann laut, wenn ich mich überwinden sollte - besonders gerne, wenn ich etwas durchziehen möchte.
Seine Melodien sind wie Ohrwürmer: «Bleib doch im warmen Bett, es ist so gemütlich!» oder «Ein Café auf dem Sofa wäre doch viel schöner!» Sein Timing ist perfekt: Immer dann, wenn ich aktiv werden will. Besonders jetzt, wo ich mir vorgenommen habe, etwas für meine Fitness zu tun. Motiviert durch das neue Jahr und ein leichtes Zwicken in den Gelenken habe ich – wie viele andere – ein Fitness Abo abgeschlossen.
Anfangs sprinte ich vor Motivation – wie Asterix nach dem Zaubertrank. Doch nach einigen Wochen... verstummt der Zauber. Troubadix übernimmt und singt lauter denn je. Warum halten wir Vorsätze so schwer durch? Unser Gehirn liebt Energiesparen und neue Gewohnheiten kosten Kraft. Mein innerer Troubadix – oder Schweinehund - will mich davor bewahren. Er flüstert mir ein, dass das Alte angenehmer ist. Kurzfristige Belohnungen wie das kuschlige Bett oder ein entspannter Abend auf dem Sofa wirken verlockender als das langfristige Ziel, fitter oder produktiver zu werden.
Doch Troubadix singt nicht nur bei der Fitness. Wenn ich länger an einem schwierigen Projekt arbeite, höre ich ihn: „Mach doch eine Pause, die E-Mails können warten!“ Und beim Haushalt schallte es: „Deine warme Decke ruft, der Staub hat keine Eile!“ Mein Troubadix liebt Komfort in allen Lebensbereichen.
Aber ich habe gelernt, ihn leiser zu stellen. Das gelingt am besten, wenn ich feste Termine einplane. Je regelmässiger ich etwas mache, desto selbstverständlicher wird es. Routine ist sein grösster Feind, denn mit festen Abläufen hat der innere Sänger weniger Chancen, mich abzulenken.
Auch hilft es, klein anzufangen. Statt mir zu viel vorzunehmen - sei es im Sport, bei der Arbeit oder im Alltag - teile ich die Aufgaben in kleine Schritte auf. Das gibt mir ein besseres Gefühl und lässt mich am Ende mehr schaffen.
Doch neben Troubadix gibt es noch andere Figuren in meinem inneren Dorf. Da wäre Majestix, der Häuptling, mein innerer Perfektionist, der sagt: „Alles muss genau richtig sein, sonst zählt es nicht!“ Oder Automatix, der Schmied, der immer für alle da sein will: «Hilf erst den anderen!“ Und Methusalix, der Älteste, der murmelt: „Das haben wir schon immer so gemacht!“ Dieses gallische Dorf begleitet mich täglich. Jede Figur steht für eine Stimme, die mir ins Ohr flüstert, mal bremst, mal antreibt. Diese Figuren helfen mir, Schwächen zu erkennen, aber auch meine Stärken zu sehen.
Hören Sie doch mal in sich hinein – vielleicht ist es nicht Troubadix, der bei Ihnen singt. Aber sicher haben Sie ihr eigenes Dorf, und vielleicht gibt es dort jemandem, dem sie nur allzu gerne mal den Mund verbieten würden.
Ich meinti
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